Immer mehr Menschen zieht es in die Städte

Immer mehr Menschen zieht es in die Städte

Junge Menschen ziehen verstärkt in die Stadt. Wer zurückbleibt, sind ältere Menschen. Das führt dazu, dass die ländlichen Gegenden überaltern, die Städte jedoch vermehrt mit Platzproblemen zu kämpfen haben. Das klingt logisch, doch die Situation war in Deutschland nicht immer so. Noch vor fünfzehn Jahren war es genau umgekehrt.

Doch mittlerweile ziehen alle Jungen in die Stadt und alle Älteren auf das Land. Diese Entwicklung ist längst auch wissenschaftlich untersucht und belegt. Das RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung kommt in seiner jüngsten Studie zu dem Schluss, dass sich durch diese Umzugsgewohnheiten die demografische Ungleichheit in Deutschland massiv verändert. Die sogenannte innere Migration führte in den untersuchten sieben Jahren dazu, dass im Saldo 250.000 Menschen mehr in die Städte, als umgekehrt auf das Land gezogen sind.

Jung zieht in die Stadt, Alt auf das Land

Um zu diesem Schluss zu kommen, untersuchten die Forscher die Binnenmigration in jedem der mehr als 400 Landkreise in Deutschland. Das passierte über alle Altersgruppen hinweg und umfasste die Jahre von 2008 bis einschließlich 2014. Die Forscher warfen dabei auch einen Blick auf die Faktoren, die die Umzugsentscheidung beeinflussen. Besonders dramatisch wird die Situation, wenn man die Umzüge nach Altersgruppen aufschlüsselt. Bei den 18- bis 29-Jährigen waren es sogar 460.000 deutsche Staatsbürger, die sich dazu entschlossen in die Stadt zu ziehen, als umgekehrt den Metropolen den Rücken zu kehren. Direkt proportional verläuft die Kurve bei Staatsbürgern ab einem Alter von 30 Jahren. Diese zogen per Saldo lieber wieder zurück in ländlichere Gebiete. Dieser Trend drückte den Altersschnitt außerhalb der Städte in Folge noch weiter nach unten. 43 Prozent aller Deutschen unter 30 Jahren entschlossen sich im Beobachtungszeitraum zu einem Umzug in urbanes Gebiet. Mit ein Grund dafür sind sicherlich auf die Standorte der Universitäten. Diese sind nun einmal in den Städten beheimatet. Doch viele von den Studenten bleiben in der Stadt, auch wenn ihre Ausbildung abgeschlossen ist.

Jung zieht in die Stadt, Alt auf das Land
Jung zieht in die Stadt, Alt auf das Land

Vielfältige Gründe

Die Gründe für die Landflucht sind vielfältig. Zu ihnen zählen unter anderem der Arbeitsmarkt, die Höhe der Gehälter und die Wohnkosten. Die unter 50-Jährigen legen Wert attraktive Löhne. Wo gut bezahlt wird, dort ziehen die Menschen hin. Wo zu wenig bezahlt wird, da wandern sie ab. Die Arbeitslosigkeit ist einer der wesentlichen Gründe, warum sich Menschen dazu entschließen abzuwandern. Bleibt diese längerfristig hoch, gibt es keinen Grund mehr dazubleiben. Weniger bedeutend sind die Wohnkosten, dies allerdings nur für eher jüngere Menschen. Ab einem Alter von 30 Jahren werden die Wohnungskosten zunehmend wichtiger. Dann, wenn die Familie da ist und wächst, wird auch mehr Wohnraum benötigt. Dieser ist in einer Großstadt oft nicht mehr leistbar, daher ziehen diese Altersgruppen verstärkt in den ländlichen Raum. Mit diesen Untersuchungsergebnissen zeigen die Studienautoren auch gleich auf, wie man das Problem der Landflucht in Deutschland stoppen, bzw. in den Griff bekommen könnte. Reichliche und gut bezahlte Arbeitsplätze könnten diesen Trend stoppen und die Städte entlasten. Das ist jedoch eine große Herausforderung für Politik und Wirtschaft und wird seine Zeit benötigen.