Sehnsucht Großstadt

Sehnsucht Großstadt

Die Großstadt eignet sich bestens für Geschichten rund um das Kino. Das haben in der Vergangenheit zahlreiche Filmklassiker zur Genüge bewiesen. Endlose Häuserschluchten, die Lichter der Nacht und mittendrin zahlreiche verlorene Seelen auf der Suche nach Erlösung. Dieses Thema zieht sich durch das moderne Kino. Zuletzt begeisterte die Origin-Story rund um den Joker Arthur Fleck mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle.

Die beindruckende Geschichte rund um die Entwicklung des Jokers war zu Recht monatelang Gesprächsthema bei den Filmfans. Mit ein Grund für den Erfolg war die stilsichere Darstellung von Gotham City im Film, für das New York Pate stand. Das Werk von Todd Philipps nahm für Joker deutliche Anleihen bei einem anderen Meisterwerk, das schon vor Jahrzehnten für Furore gesorgt hatte.

Taxi Driver wirft einen Blick in den Abgrund

Das Drama Taxi Driver von Martin Scorseses besticht bis heute durch seinen messerscharfen Blick in menschliche Abgründe. Der Film gilt als Meisterwerk der zahlreichen gemeinsamen Arbeiten von Hauptdarsteller Robert De Niro mit seinem Lieblingsregisseur. Als junger Taxifahrer im nächtlichen New York gerät die Hauptfigur Travis Bickle immer mehr in einen Strudel von Gewalt. Aufgrund seiner Schlafstörungen fährt er in die dunkelsten Gegenden der Stadt und arbeitet ausschließlich in der Nacht. Angewidert von seinen zwielichtigen Kunden beschließt Bickle das Heft selbst in die Hand zu nehmen. Der Streifen sorgte bei seiner Veröffentlichung für heftige Diskussionen und machte die damals blutjunge Jodie Foster zum Star. Scorsese gelang es in Taxi Driver meisterhaft die heruntergekommenen Viertel im New York der 1970er Jahre in Szene zu setzen.

Romantik und Poesie in Manhattan

Einen ganz anderen Zugang wählte da schon Woody Allen. Sein Film „Manhattan“ aus dem Jahr 1979 ist eine einzige Liebeserklärung an seine Heimat. Die Geschichte spielt im Großstadtdschungel der neurotischen Intellektuellen, die sich heillos in einem Beziehungs-Tohuwabohu verheddern. Nie zuvor und jemals wieder feierte ein Regisseur seine Stadt mithilfe einer Kamera so sehr, wie Allen in seinem zentralen Werk. Der Zuschauer wandelt mit ihm durch den Central Park, besucht Restaurants und Kunstgalerien und genießt die musikalische Untermalung von Rhapsody in Blue von George Gershwin. Woody Allen drängt seine Schauspieler geradezu aus dem Bild, wenn es darum geht seiner Muse Manhattan zu huldigen. Die stimmungsvollen Schwarzweißbilder, die nostalgische Musik und der scharfzüngige Humor vermischen sich zu einer poetischen Hommage an die Großstadt am Hudson River.

Romantik und Poesie in Manhattan
Romantik und Poesie in Manhattan

Einsam in Japan

Als Schauspielerin im dritten Teil der legendären Paten-Trilogie ihres Vaters Francis Ford Coppola konnte Sofia Coppola nicht überzeugen. Ihr zweiter Film als Regisseurin hingegen schlug ein wie eine Bombe. Lost in Translation gewann nicht nur den Golden Globe, sondern auch den Oskar für das beste Originaldrehbuch, das sie verfasst hatte. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein alternder Schauspieler (gespielt von Bill Murray) der für eine Woche nach Tokio reist, um dort einen Werbespot für Whiskey zu drehen. Im Hotel trifft er auf Charlotte (gespielt von Scarlett Johansson), die mit ihrem Mann in der Stadt weilt. Beide leiden unter der Zeitumstellung und ihrer Schlaflosigkeit. Sie fühlen sich in der fremden Stadt ohne Sprachkenntnisse völlig verloren. Die Einsamkeit macht die beiden zu Komplizen, gemeinsam streifen sie durch das nächtliche Tokio. Alle drei Filme bestehen durch eine herausragende Darstellung ihrer stummen Hauptdarsteller, und zwar jener Metropolen, die für so viele von uns zum Sehnsuchtsort geworden sind.