Was fasziniert Menschen an der Großstadt?

die Metropole

Der Trend zur Großstadt ist bereits seit vielen Jahren deutlich sichtbar. Immer mehr Menschen ziehen auch in Deutschland vom Land in die Stadt. Diese Landflucht führt in beiden Regionen zu Problemen. Die ländlichen Gegenden sind überaltert, die Städte kämpfen vermehrt mit Platzproblemen, Wohnungsnot und teuren Mieten. Dabei zieht es jüngere Menschen bis zu einem Alter von 30 in die Stadt, ab 30 Jahren kehren viele den Metropolen wieder den Rücken zu. Doch was löst diese Sehnsucht nach der urbanen Umgebung aus, was fasziniert Menschen an einer Großstadt?

Der Zustrom in die Städte in einer der Megatrends unserer Zeit. Das war nicht immer so. Noch vor 70 Jahren lebten rund 70 Prozent der Weltbevölkerung am Land. Derzeit sind es nur noch etwas mehr als 40 Prozent. Glaubt man den Prognosen der Experten, dann könnte sich das Ergebnis in dreißig Jahren völlig umgekehrt haben. Dann sollen offenbar zwei Drittel der Weltbevölkerung in einer Metropole ihre Heimat gefunden haben. Die Gründe für den massiven Zuzug in die Städte sind vielfältig.

Die gesellschaftlichen Trends führen zum Wachstum

Einer davon ist die starke Zunahme an Singles. In dieser modernen Zeit sind Menschen immer öfter und immer länger alleine. Sie heiraten später und bekommen immer später Kinder. Das zeigen die Bevölkerungsstatistiken ganz deutlich. In den deutschen Städten überwiegen die Single-Haushalte bereits deutlich mit 61 Prozent. Die umfassende Bildung, die wir heute genießen können, hat dazu geführt, dass sich die Zahl der Studenten in den letzten 55 Jahren verzehnfacht hat. Sie leben natürlich dort, wo sich die Universitäten befinden und das sind nun einmal die Städte. Gleichzeitig profitieren die Metropolen von der gestiegenen Anzahl an Zuwanderern. Auch diese bevorzugen Städte als ihren neuen Wohnort.

Hilfestellung durch ethische Kolonien

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Die Infrastruktur in den Städten ist weitreichend ausgebaut. Wohnungen, Bildung, Anonymität und die städtische Aufgeschlossenheit üben eine starke Anziehungskraft auf neue Bewohner aus. Dazu kommt das Phänomen der Kettenwanderung. Befinden sich in der Stadt bereits Bewohner aus dem eigenen Land, ziehen Neuankömmlinge fast automatisch nach. So entstehen eigenen Viertel, bestes Beispiel dafür sind die zahlreichen Einwanderer-Viertel in New York. Diese ethischen Kolonien bieten den Neuankömmlingen eine erste Hilfestellung, die Umstellung auf die neue Heimat fällt dadurch wesentlich leichter. Die Vertrautheit der eigenen Leute mildert den „Schock“ der Migration und dient als Brückenkopf in die neue Heimat.

24/7 Nachtleben

Einen Teil jener Anziehungskraft, die eine Stadt auf ihre Einwohner ausübt, ist sicherlich auch dem Nachtleben zuzuschreiben. Je vielfältiger sich dieses seinen Bewohnern und Gästen präsentiert, desto attraktiver wird die Stadt. Sie bindet dadurch nicht nur ihre Bevölkerung an sich, sondern lockt zahlreiche Touristen aus aller Welt an. Bestes Beispiel dafür sind in Deutschland die Städte Hamburg und Berlin. Die Auswahl an Besuchen in Restaurants, Gaststätten, Bars, Casinos, Vergnügungslokalen oder Diskotheken prägen das Image der Großstadt und sind für viele der zentrale Standortvorteil im Vergleich zu ländlichen Gebieten.

Schließlich handelt es sich dabei um nichts anderes als Infrastruktur und diese ist im urbanen Gebiet nun einmal wesentlich besser ausgebaut. Hier haben die Bewohner die Wahl essen zu gehen, frische Lebensmittel am Bauernmarkt zu kaufen und selbst zu kochen, oder sich einer der zahlreichen Lieferdienste zu bedienen. Das Unterhaltungsangebot ist vielfältig und deckt sämtliche Bereiche der Unterhaltungsindustrie ab. Ob Oper, Theater, Rockkonzert, Lesungen, Museen oder Casinos, die Wahlmöglichkeiten sind schier unbegrenzt. Wer sich gerne der Hochkultur widmet, wird hier ebenso fündig, wie der Online-Spieler, der sich zur Abwechslung gerne auch einmal im traditionellen Casino mit anderen misst, um unter Menschen zu kommen. Dabei hat das Nachtleben einer Großstadt längst auch eine große ökonomische Bedeutung eingenommen.

Interessanterweise liegen in Deutschland dazu nach wie vor wenig konkrete Zahlen vor. Lediglich aus Berlin weiß man um die Bedeutung der Nachtökonomie für den Tourismus der Stadt. Ohne das umfangreiche Nachtleben wäre die Bundeshauptstadt deutlich weniger attraktiv für Reisende. Das reichhaltige Angebot ist auch ein wesentlicher Faktor, der das Image von Berlin prägt. Wenn eine Stadt ihr Nachtleben aktiv fördern möchte, dann ist auch hier die Bereitstellung von Infrastruktur gefragt. Dazu zählt ein gut getakteter Nachtverkehr der öffentlichen Verkehrsmittel ebenso, wie ausgedehnte Öffnungszeiten in der Gastronomie und ein offenes Ohr der Verantwortlichen für die Nöte der Club- und Barbesitzer. Sie alle gemeinsam erschaffen ein Bild, das jede Großstadt prägt und ihr eine unverwechselbare Atmosphäre gibt. Gerade diese ist für zahlreiche Wirtschaftszweige unerlässlich.

Berlin

Kreative bevorzugen den Großstadtdschungel

Neue Industrien haben in den letzten 20 Jahren zahlreiche Jobs geschaffen. Während die klassische Schwerindustrie ihren Platz nach wie vor außerhalb der Metropolen hat, können Dienstleistungs-, Büro- und IT-Job ganz leicht in das städtische Gefüge integriert werden. Zahlreiche Start-ups locken gebildete Bevölkerungsschichten an und bieten ihnen jene Umgebung, in denen sie sich wohlfühlen. Kreative verlangen schließlich nach einer inspirierenden Umgebung, diese können Städte bieten. Die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend verschwunden. Der verstärkte Einstieg von Frauen in das Berufsleben hat ebenfalls den Aufstieg der Städte als Lebensraum Nummer eins befeuert. Die Stadt macht das Leben für viele einfach leichter. Doch dieses System kann nur funktionieren, solange die landschaftlich geprägten Regionen mehr produzieren als sie benötigen.